Einführung
Bei Fielddays und öffentlichen Veranstaltungen bauen Funkamateure sehr oft ihre eigene elektrische Versorgungsnetze auf.
Betrachtet man unsere Aktionen
im rechtlichen Rahmen, kommen folgende Punkte zum Tragen.
- Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) gilt für Vereine, sobald diese Arbeitnehmer beschäftigen. In diesem Fall ist der Vorstand rechtlich verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und
Arbeitsmittel regelmäßig durch befähigte Personen prüfen zu lassen. Obwohl die BetrSichV bei rein ehrenamtlicher und privater Nutzung durch
Vereinsmitglieder rechtlich oft nicht greift, verlangen viele Versicherungen zur Schadensvermeidung meist die Einhaltung dieser Sicherheitsstandards.
- Elektrische Geräte und Anlagen müssen regelmäßig nach DGUV Vorschrift 3 (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) geprüft werden. Vereine sind für
die Betriebssicherheit der verwendeten Geräte verantwortlich. Dies gilt auch für private Geräte von Mitgliedern wenn sie bei Veranstaltungen genutzt werden.
- Bei ehrenamtlicher Tätigkeit ist grundsätzlich die gesetzliche Unfallversicherung zuständig. Die konkrete Berufsgenossenschaft (BG) oder Unfallkasse
richtet sich nach dem Bereich, in dem man sich engagiert: Für gemeinnützige Vereine, Verbände und Parteien ist die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) der
richtige Träger.
- Der OVV steht für die Veranstaltungen des Ortsverbandes in der Haftung. In welchem Umfang die Versicherungen des DARC (Haftpflicht, Unfall) da bei einem Personenschaden auf Grund einer defekten elektrischen Anlage greifen, kann ich nicht beurteilen. Nach den Regeln der Berufsgenossenschaft geht es hier
genau um die DGUV V3 die sich an der VDE-Norm 0702 orientiert. Beide Vorschriften gelten auch für die Betriebssicherheitsverordnung. Auch das Bürgerliche Gesetzbuch geht in den Paragraphen § 823
Schadensersatzpflicht und §31 Haftung des Vereins für Organe auf diese Verpflichtungen ein. In allen Verordnungen, Regelwerken und Gesetzen wird
nicht konkret der Amateurfunk erwähnt, aber BGB, Sozialgesetzbuch 7, die DGUV V3 und das BGB sprechen am Rande immer von Vereinen oder von Haftung
gegenüber Dritten bei Veranstaltungen.
- Bei öffentlichen Veranstaltungen können Städte, von denen man öffentliche Räume nutzt, sowie Veranstalter von Märkten und Privatvermieter eine DGUV V3 Prüfung
verlangen, weil es auch zum Teil Feuerschutzversicherungen im Kleingedruckten stehen haben. Neben diesen organisatorischen Belangen ist auch der
Schutz, den ein Vorstand seinen Mitgliedern und Gästen gewähren sollte, eine Verpflichtung, technisch einwandfreie elektrische Betriebsmittel zu
nutzen.
Elektrische Netzsysteme
Beim Aufbau eines temporären elektrischen Verteilnetzes muss man sich Gedanken über das vorhandene Netzsystem machen. Aus der Art
des Netzsystemes ergeben sich die Anforderungen an die notwendigen Schutz- und Absicherungssysteme.
TN-System
Bei einem TN-System ist der Sternpunkt des Generators/Transformators direkt geerdet. Beim TN-S System wird im gesamten System ein getrennter Schutzleiter verwendet. Daneben gibt es noch die Systeme TN-C (Schutzleiter und Neutralleiter in einem einzigen Leiter kombiniert) und TN-C-S (Schutzleiter und Neutralleiter in Teilen des Sytems in einem einzigen Leiter kombiniert). Beispiel "normale" 1~/3~ Anschlüße.
Zulässige Schutzsysteme:
- Überstrom-Schutzeinrichtung
- Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD)
TT System
Bei einem TT-System ist der Sternpunkt des Generators/Transformators direkt geerdet. Die Gehäuse elektrischer Betriebsmittel sind mit Erdern verbunden, die elektrisch vom Erder für die Erdung des Systems unabhängig sind. Beispiel 3~ Netzersatzanlagen (Generatoren).
Zulässige Schutzsysteme:
- Überstrom-Schutzeinrichtung
- Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD)
IT-System
Beim IT-System (französisch Isolé Terre) sind alle aktiven Leiter von der Erde getrennt, bzw. ein Punkt ist über eine Impedanz mit Erde verbunden. Bei einem Isolationsfehler kann nur ein sehr kleiner Fehlerstron fließen. Schutzeinrichtungen wie Sicherungen oder RCD's könnnen bei einem einpoligen Fehler nicht auslösen. Beispiel 1~ Netzersatzanlagen. Daher darf an Netzersatzanlagen mit IT-Netzform nur ein Verbraucher angeschlossen werden. Sollen mehrere Verbraucher angeschlossen werden, so muß vor jeden weiteren Verbraucher ein Trenntransformator geschaltet werden, oder für das gesamte Netz muß eine Isolationsüberwachung installiert werden.Zulässige Schutzsysteme:
- Isolationsüberwachungsgerät
- Überstrom-Schutzeinrichtung
- Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD)
Netzaufbau
Wie sollte eine temporäre elektrische Anlage im Außenbetrieb wie Fieldday, Ausstellungen und Vereinsfesten aussehen?
Bei einem 1~ TN-S / TT System sollte zuerst ein PRCD-S (Personenschutzschalter) in die Versorgungssteckdose eingesteckt werden.
Ein PRCD-S, Portable Residual Current Device, S=Safety überprüft die Steckdose ob die Phase L, der Neutralleiter N und der Schutzleiter PE
- vorhanden
- richtig angeschlossen
- nicht vertauscht sind
Der Schutzleiter wird beim Einschalten überprüft und während des Betriebs überwacht. Eine Stromentnahme ist damit nur über eine sichere
Steckdose möglich.
Dann eine Anlage mit geeigneten Leitungsrollern, Mehrfachverteilern und Leitungen bis zu den Verbrauchern aufbauen.
An der letzten Schutzkontaktsteckdose sollte der Nachweis der Schutzleiterfunktion mit Hilfe eines geeigneten Prüfgerätes
kontrolliert werden.
Bei einem IT System, Ersatzstromerzeugern (Netzersatzanlagen, umgangssprachlich Moppel
oder Wandler) die über die Schutzmaßnahme Schutztrennung/Potentialausgleich verfügen, sollte eine mobile Isolationsüberwachungseinheit
zunächst dazwischengeschaltet werden und nur deren Schutzkontaktsteckdosen weiter genutzt werden.
Eine Isolationsüberwachungseinheit überprüft permanent
den Widerstand zwischen den Phasen / Neutralleiter und dem Schutzleiter PE. Unterschreitet der Widerstand einen Schwellwert, kann je nach Aufbau der Überwachungseinheit
ein optisch oder akustisches Warnsignal ausgeben werden oder die Anlage wird allpolig abgeschaltet.
Dann die Anlage mit geeigneten
Leitungsrollern, Mehrfachverteilern und Leitungen bis zu den Verbrauchern aufbauen. An der letzten Schutzkontaktsteckdose sollte
die Funktion des Isolationsüberwachungsgerätes mit einem geeigneten Prüfgerät kontrolliert und überrüfen werden ob ein akustisches, optisches
Alarmsignal gut hör- und sichtbar ist und/oder eine automatische Abschaltung des Stromkreises erfolgt.
Bei einer 3~ Versorgung des temporären Netzes ist
es sehr wichtig die Drehrichtung des Netzes und das Vorhandensein des Neutralleiters N zu überprüfen. Bei fehlendem Neutralleiter können
zu hohe Spannung auf den 1~ Anschlüßen auftreten und angeschlossene Geräte zerstören. Zum Prüfen gibt es kostengünstige Teststecker bei diversen Onlinehändlern.
Anforderungen (Beispiele)
Anforderung der Gemeinde Kirchheim-Heimstetten